Bericht zum Cochrane-Review

16. 09. 25

ein Bericht von Ernst Renner

Liebe Dampferinnen und Dampfer, in letzter Zeit hat sich wieder viel getan. Manchmal ist es nicht möglich, zu jedem Ereignis, das uns betrifft, einen Bericht zu schreiben, daher nun die Zusammenfassung.
Zum einen wurde ein neuer Cochrane Review veröffentlicht.
 
http://onlinelibrary.wiley.com/doi/10.1002/14651858.CD010216.pub3/full
 
Das Cochrane- Netzwerk ist eine globale Gruppe aus Wissenschaftlern, Ärzten und Patienten, die Studien und Erkenntnisse zu gesundheitlichen Fragen und Problemen neutral bewerten und sammeln.
http://www.cochrane.org/de/about-us
 
Ziel des Reviews war es, folgende Fragen zu beantworten
  • Sind Dampfgeräte geeignet, beim Aufhören zu unterstützen
  • Sind Dampfgeräte sicher in Bezug auf die Gesundheit
Seit 2014 wurden 24 Studien zu diesem Thema ausgewertet, wobei nur zwei Studien sogenannte RCTs (randomized controlled trials) waren, die die Teilnehmer länger als ein halbes Jahr begleiteten.
 
https://de.m.wikipedia.org/wiki/Randomisierte_kontrollierte_Studie
 
Diese beiden Studien verglichen Aufhörversuche mit  Dampfgeräten mit und ohne Nikotin bei 662 Teilnehmern.
  • Die kombinierten Ergebnisse der Studien zeigen, dass sich Dampfgeräte mit Nikotin besser für einen Rauchstop eignen als solche ohne Nikotin. Die anderen Studien stützen diese Aussage.
  • In keiner der 24 Studien konnten kurz- oder mittelfristige (bis zu zwei Jahren) ernsthafte gesundheitlich negative Auswirkungen außer Mund- und Rachenreizungen festgestellt werden.

Eine Aussage zu langfristigen Auswirkungen kann noch nicht getroffen werden, die Autoren des Reviews fanden 15 weitere laufende RCTs, die für den Review geeignet sind.
 
 
Die Anzahl der genannten Studien mag jetzt sehr niedrig erscheinen. Zum einen ist jedoch die Fragestellung sehr konkret, zum anderen ist Cochrane sehr kritisch in der Auswahl. Die Ergebnisse sprechen aber für sich und wir Dampferinnen und Dampfer haben auch unsere eigenen Erfahrungen, die wir weitergeben können.
 
Wir sind jedenfalls auf einem guten Weg.
 
In der Folge des Cochrane-Reviews wurde ein Artikel von Jamie Hartmann-Boyce, dem führenden Autor des Reviews im Guardian veröffentlicht, der sich mit der Frage beschäftigt, warum sich die Wissenschaft in Bezug auf das Dampfen nicht einig ist und auch auf die Ergebnisse des Reviews eingeht.
 
https://www.theguardian.com/science/sifting-the-evidence/2016/sep/14/why-cant-scientists-agree-on-e-cigarettes-vaping
 
 
Er beklagt die Flut von Artikeln, die auf uns einprasselt, von denen die meisten aber nur zur allgemeinen Verwirrung und Verunsicherung beitragen. Die Sun berichtet zum Beispiel über Experten, die der Dampfe das gleiche oder ein größeres Risiko wie der Tabakzigarette bescheinigen, einige Zeilen weiter wird die 95%-ige Risikominimierung bestätigt. Warum kann sich die Wissenschaft also nicht einig sein und wird sie es je sein?
 
Laut Jamie Hartmann-Boyce kommt es auf den Studientyp an den man anwendet und auf den Blickwinkel. Er verweist auf die bereits oben erwähnten RCTs als beste Studienmethode.
In dem Artikel stellt er noch einmal die Schlussfolgerung der Cochrane-Gruppe vor
  • Dampfgeräte mit Nikotin können Raucher beim Aufhören unterstützen
  • Sie scheinen keine ernsthaften Nebeneffekte bei kurz- bis mittelfristigem Gebrauch zu haben (Zeitraum bis 2 Jahre)
  • In einigen Fällen führt der Umstieg zu Effekten im Blut und in der Atmung, die man bei Personen beobachten würde, die komplett aufhören.

Zur Frage nach der Sicherheit der Dampfen kommt es nach Hartmann-Boyce  darauf an, wie man die Frage meint.
Meint man mit "sicher" komplett risikolos, nun, dass seien sie sicher nicht.
Meint man mit "sicher" risikoärmer als Tabakzigaretten, würden die meisten Experten zu einem Ja tendieren. Tendieren deshalb, weil zu wenig über die Langzeiteffekte des Dampfens bekannt sei.
Da die Langzeiteffekte unbekannt seien, müsse man woanders nach Hinweisen suchen, in Studien zu den kurzzeitigen Nebeneffekten oder in Studien, die den Einfluss von E-Zigaretten auf Blut, Lunge und Herz betrachten. Die Interpretation der Messungen sei äußerst kompliziert.
In einer kürzlich veröffentlichten Studie fand man zum Beispiel heraus, dass das Dampfen die selben Gefäße im Herz beeinflusst wie das Rauchen. Das sei nicht verwunderlich, so Hartmann-Boyce, da das Nikotin das aktive Agens sowohl im Dampf als auch im Rauch sei. Man wisse aber auch, dass das Nikotin nicht für die Schäden verantwortlich sei, die man dem Rauchen zuschreibt. Wie solle man also die Ergebnisse interpretieren?
Die Reaktionen der Experten reichten von " E- Zigaretten sind gefährlicher als man glaubt" bis zu "Dampfen birgt nur einen Bruchteil des Rauchrisikos"
Wenn es um Langzeitsicherheit gehe, machten Experten,in Abwesenheit von soliden Daten, ihre besten Einschätzungen und das schaffe Raum für Uneinigkeit.
 
Wie geht es nun weiter?
Hier nun der Originaltext aus dem Artikel und ein Aufruf von Jamie Hartmann-Boyce.
 
The good news is there’s lots of research going on – finally. The most recent update of the Cochrane review found 26 studies in the pipeline that will help answer questions about the safety and effect of using e-cigarettes to quit smoking. The more studies we have looking at a question, the more certain we can be about the answer. The irony is that until we have the answer, narrow interpretations of the results of individual studies risk doing further harm, undermining public confidence in science and possibly discouraging quit attempts. Fundamentally, tobacco researchers on both sides of the argument want the same thing – to reduce death and disease. We’re in the same boat. If you’re reading this as a member of the public, please don’t be put off by the conflicting headlines – we all agree cigarettes are bad for you, most of us agree vaping is probably much safer than smoking regular cigarettes, and if you’re a smoker we all really want our research to help you to quit. Don’t let us get in the way.
 
"Die gute Nachricht ist, dass gerade eine Menge an Forschungen läuft. Das letzte Update des Cochrane-Review fand 26 Studien in der Pipeline, die uns helfen werden, die Fragen bezüglich der Sicherheit und der Effekte beim Gebrauch von Dampfgeräten zum Rauchstop zu beantworten.
Je mehr Studien zu einer Frage wir haben, desto sicherer können wir in Bezug auf die Antwort sein. Die Ironie ist, dass, bis wir die Antwort haben, eine zu enge Auslegung von individuellen Studien das Risiko birgt, weiteren Schaden hervorzurufen, indem das öffentliche Vertrauen in die Wissenschaft untergraben wird und möglicherweise von Aufhörversuchen abgelassen wird.
Grundsätzlich wollen Tabakforscher auf beiden Seiten des Streites das selbe - Tod und Krankheit verringern. Wir sind im selben Boot. Wenn Sie das als ein Mitglied der Öffentlichkeit lesen, lassen Sie sich nicht von widersprechenden Überschriften abschrecken. Wir alle stimmen überein, dass Zigaretten schädlich für Sie sind, die meisten von uns stimmen darin überein, dass das Dampfen wahrscheinlich viel sicherer als das Rauchen gewöhnlicher Zigaretten ist. Und wenn Sie Raucher sind, wir alle wollen Ihnen wirklich mit unserer Forschung helfen, mit dem Rauchen aufzuhören.
Lasst uns einander nicht im Weg stehen. "
 
Soweit nun, liebe Dampferinnen und Dampfer, die Zusammenfassung und Ausschnitte aus dem Cochrane- Review und einem Artikel dazu.
Natürlich äußern sich unabhängige Wissenschaftler für uns nur vorsichtig und verhalten, die Fortschritte sollten aber Grund zu Optimismus sein.